23. Dezember 2011

Weisse Pracht zur Weihnachtsfeier des Kinderheims Brugg

Zwei Tage vor der traditionellen Weihnachtsfeier im Kinderheim Brugg tanzten die Schneeflocken in verschiedenen Formationen vom Himmel. Die im winterlichen Kleid erstrahlende Landschaft verlieh der vorweihnachtlichen Hektik einen Hauch von Ruhe. Die Kinder freuten sich an der weissen Pracht und formten lustige Schneemannen, ja ganze Schneefamilien. Adventliche Stimmung machte sich breit und die Vorfreude auf Weihnachten wurde noch spürbarer.

Am späten Mittwochnachmittag des 21. Dezember 2011 füllte sich der Mehrzwecksaal des Kinderheims mit einer lebhaften Schar Kinder und Jugendlichen aus dem Wohnheim und der Tagessonderschule, mit Angestellten, freiwilligen HelferInnen sowie mit Gästen aus dem Stiftungsrat. Rolf von Moos, Gesamtleiter, begrüsste die rund 140 Personen mit einem kurzen Jahresrückblick. Mit dem Gedicht von Wilhelm Busch "Will das Glück nach seinem Sinn…" übergab Rolf von Moos die Bühne den Kinder und Jugendlichen für die mit viel Mühe und grossem Engagement eingeübten Darbietungen.

In gekonnter Manier führte Catherine Meier, Bereichsleiterin Wohnen, durchs Programm und kündete zum Auftakt die Wohngruppe Jupiter an, in welcher fünf Kinder und Jugendliche mit schweren Mehrfachbehinderungen leben. Sie führten mit drei Kindern im Rollstuhl und zwei mobilen Kindern einen Tanz zum Lied der Schlümpfe "Weihnachtsbäckerei" auf. Mit sichtlichem Spass tanzten und wirbelten sie über die Bühne und zeigten, wie fröhlich es beim „Guetzlen“ zu und her geht. Durchs „Jahr y und us“ wurden die Zuschauer von den Schulgruppen Luchse und Wölfe, erste bis fünfte Primarschulstufe, geführt, mit passenden Gedichten zu jedem Monat.

Mit ihren aufgesetzten, rot leuchtenden Samichlausmützen rappten die Kinder der Wohngruppen Sonne und Pluto als Samichläuse auf der Bühne. Geschickt bewegten sie sich zu den rhythmischen Klängen des Samichlaussongs und untermauerten ihre tänzerischen Fähigkeiten mit verschiedenen Formationen. In der Wohngruppe Pluto leben zehn normalbegabte Kinder zwischen zwei und zehn Jahren, welche teilweise Verhaltensauffälligkeiten aufweisen. Zusammen mit den acht Kindern der Wohngruppe Sonne im Alter zwischen sieben und sechzehn Jahren, mit leicht kognitiven Behinderungen, stimmten sie das schöne, besinnliche und weihnachtliche Lied „Freu Di“ von Peter Reber an. Wie es aus den strahlenden Augen bis in die hintersten Reihen leuchtete, wurde dieser gesanglichen Einladung gerne Folge geleistet.

Mit einem wunderschönen Medley verschiedener Weihnachtsliedern erfreuten die jüngsten Kinder der Wohngruppe Neptun das Publikum. Rockiger entfaltete sich die Tanzvorstellung mit integrierter Schneeballschlacht, bei welcher auch der Jugendliche, welcher auf Grund seiner schweren Behinderungen auf den Rollstuhl angewiesen ist, und die älteren Kinder der Wohngruppe mit Freude mit von der Partie waren.

Ihr sprachliches Können und rhythmisches Flair zeigten die Jugendlichen der Schulgruppe Tiger mit ihrem Vortrag, dem spanischen Weihnachtslied „Felice navidad“ und dem englischen „I want to wish you a merry christmas“. Die 6. und 7. Klässler begleiteten die beiden Stücke mit Rhythmusinstrumenten und das Publikum klatschte begeistert mit.

Wie in den letzten Jahren zur Tradition gewachsen, folgte der Beitrag der zehn in der Wohngruppe Saturn lebenden Jugendlichen im Alter zwischen elf und sechzehn Jahren, in Form ihres eigens gedrehten Weihnachtsfilms. Zu Beginn des Filmes präsentieren sie Fotos aus ihrem Lageraufenthalt im Tessin und suchten anschliessend das Weihnachts-Super-Talent, was die Zuschauer zum Lachen brachte. Ja, in jedem schlummert ein Talent!

„Markt und Strassen stehn verlassen, still erleuchtet jedes Haus, sinnend geh ich durch die Gassen, alles sieht so friedlich aus“. Diese und weitere von Joseph von Eichendorff in seinem Gedicht „Weihnachten“ niedergeschriebenen Gedanken zu Weihnachten wurden von der Schulgruppe Bären rezitiert.

Abgeschlossen wurde der Reigen der Darbietungen mit dem erstmals an Heiligabend 1818 in der Kirche von Oberndorf in der Nähe von Salzburg aufgeführten Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Es versetzte auch die Anwesenden im Saal des Kinderheims gedanklich in eine andere Zeit, in das damalige Geschehen auf dem Felde. Einige Kinder und Erwachsenen aus den Zuschauerreihen stimmten in den sanften Gesang der Jugendlichen der 8. und 9. Schulstufe ein.

Bevor Rolf von Moos sich für die schönen Darbietungen voller gegenseitigem Respekt und für den Einsatz aller Angestellten, Kinder und Jugendlichen herzlich bedankte und die Akteure samt Publikum einlud, ihre Sitzplätze zu wechseln, rundete das gemeinsam als Kanon gesungene Schlusslied „Dona nobis pacem“ das Bühnenprogramm ab.

Organisatorisch optimal durchdacht und Dank den fleissigen HelferInnen, wandelte sich der Konzertsaal im Handumdrehen in einen Bankettsaal. Für das von allen geschätzte gemeinsame Racletteessen waren die Tische wunderschön festlich dekoriert und die Tischkärtli wiesen jedem Gast seinen Sitzplatz. Das gemeinsame Nachtessen und das gemütliche Beisammensein wurden genossen. Fürs Dessert zogen sich die Kinder und Jugendlichen mit ihren Betreuenden in die jeweiligen Wohn- und Schulgruppen zurück. In den Wohngruppen wurde im kleineren Rahmen noch etwas weiter gefeiert.

Das Kinderheim ist 365 Tage im Jahr geöffnet und somit auch während den Festtagen. Am Heilig Abend werden die Kinder und ihre Betreuungspersonen nach dem Gottesdienstbesuch gemeinsam essen, musizieren und feiern. Da etwelche Kinder und Jugendliche nicht die Möglichkeit haben, nach Hause zu gehen, werden die Weihnachtstage und natürlich Silvester auch im Kinderheim speziell gestaltet.

Hanni Murbach, Wohngruppe Jupiter