Die Aufgabe bestand darin, eine Institution in ein Wohnquartier zu integrieren und den Übergang vom höher gelegenen Plateau zum Süssbach zu formen. Je nach Standort kann das Ensemble als Einzelbauten oder als Grossform gelesen werden. Zwischen den dicht beieinander stehenden Gebäuden entsteht ein zentraler Freiraum als Herzstück und Zentrum des Quartiers. Über die Materialisierung des Neubaus mit einem groben Aussenputz sowie Sockel- und Eingangspartien in Jurakalkstein werden die verschiedenen Bauten zusammengebunden.
Situation
Das Kinderheim Brugg liegt zentral und ist Teil eines städtischen Wohnquartiers. Mit dem neuen Projekt soll diese Qualität verstärkt werden. Die einzelnen Volumen des Heims sollen als normale Häuser in einer gewöhnlichen Nachbarschaft erlebt werden.
Das Areal liegt an der westlichen Kante des höher gelegenen Vorstadtplateaus zum tiefer gelegenen Niveau des Süssbaches. Der obere Teil des Areals umfasst die Liegenschaft Müller-Bircherhaus, zwischen Stapferstrasse und Wildenrainweg, von wo die Böschung zum Süssbach abfällt. In diesem Arealteil sind das bestehende Heim (Haus Ost und West), sowie die Cuenin-Villa situiert. Diese Villa weist starke bauliche Mängel auf und eignet sich von ihrer Raumstruktur her nicht für die geforderten Nutzungen. Sie wird deshalb abgerissen und damit einem Neubau Platz machen.
Die bestehenden, nicht behindertengerechten Häuser Ost und West werden erhalten und an die gesetzlichen Vorgaben angepasst. Ihre oberirdische, zweigeschossige Verbindung wird abgebrochen. Daneben wird ein neuer, freistehender Gebäudekörper an Stelle der Cuenin-Villa in die Situation eingepasst. Ein gemeinsamer Sockel nimmt die Höhendifferenz vom oberen Arealteil zum Süssbach auf und verbindet die verschiedenen Heimteile miteinander. Die renovationsbedürftigen Häuser Müller und Bircher an der Stapferstrasse werden saniert und wo nötig an die Bedürfnisse der Wohngruppen angepasst.
Fassade
Die Fassaden der bestehenden Häuser Ost und West werden isoliert und neu verputzt. Die neuen Fenster sollen in Holz/Metall ausgeführt werden. Der Neubau ist ebenfalls mit einer aussen liegenden Wärmedämmung versehen. Im Sockelbereich werden je nach Situation Natursteinplatten vorgesehen. Durch die einheitliche Gestaltung der Fassaden sollen sich die drei Häuser zu einem Ensemble verbinden.
Zwischen den dicht beieinander stehenden Häusern entsteht im oberen Arealteil ein grosszügiger, zentraler Freiraum als Herzstück der Anlage und Zentrum des Heims. Alle Häuser werden durch individuelle Eingänge von diesem Freiraum aus behindertengerecht erschlossen.
Der Freiraum zwischen den Häusern Ost, West und Süd überlagert und verbindet sich mit dem Garten des Müller-Bircherhauses. Die Lesbarkeit des Gartens sowohl als Teil des grossen Freiraums wie auch als Villengarten soll in der Aussenraumgestaltung verstärkt werden.
Der Parkplatz, insbesondere der Abschluss zur Stapferstrasse, soll räumlich besser gefasst und dem Quartiercharakter gerecht werden.
Der Aussenraum am Süssbach wird durch den Sockelbau definiert und ist den Sport- und Spielwiesen, einem Hartbelag und der Terrasse des Essraums gewidmet.
Ein Nebeneingang im Sockelgeschoss führt direkt zu den heiminternen Gemeinschaftsräumen.
Ganz im Süden, auf der anderen Seite des Fussweges, wird der Spielplatz angeordnet und räumlich besser an die Gesamtanlage angebunden.
Die verschiedenen Funktionen werden in mehr oder weniger unabhängigen Bauten angeordnet: Wohngruppen für Schwerstbehinderte im Haus West, die Wohngruppe für Jugendliche im Haus Ost, die Schule, Therapie und Verwaltung sind zusammen im Neubau Haus Süd untergebracht. In den Häusern Müller und Bircher wird je eine Wohngruppe mit leicht behinderten bzw. nicht behinderten Kindern einziehen.
Im Haus Süd liegt die Verwaltung direkt am neuen, zentralen Haupteingang des Kinderheims. Darüber befinden sich Schule und Therapie mit der erwünschten funktionalen Nähe zueinander. Im Sockelgeschoss befindet sich der Mehrzweckraum neben dem Essraum. Die Verbindung mit den Häusern Ost und West ermöglicht einen wettergeschützten Zugang für die Schwerstbehinderten zu allen Räumen. Der Verbindungskorridor bildet eine klare Raumfigur und ermöglicht, mit dem bewusst gesetzten Lichteinfall, eine gute Orientierung.
Das bestehende Haus West wird an die Erfordernisse der Schwerstbehinderten, sowie an die gesetzlichen Bestimmungen angepasst. Alle Geschosse werden mit einer ins Dachgeschoss verlängerten Treppe und einem neuen Bettenlift erschlossen. Das Sockelgeschoss nimmt neu Wäscherei, Gemeinschaftsräume und Personal-Essraum auf. Im Dachgeschoss werden Versorgungsräume untergebracht. Die Wohngruppen werden im Erd- und Obergeschoss identisch organisiert. Alle Wohn- und Schlafräume befinden sich auf der Süd- und Westseite. Die Nebenräume und Nasszellen sind wie bestehend auf der Nordseite und in einem neuen, zentralen Kern angeordnet.
Das Haus Ost beherbergt in den Obergeschossen wie bisher die Wohngruppe Kaktus (Kinder/Jugendliche ohne Behinderung). Das Erdgeschoss wird für die Anlieferung auf der Nordseite, sowie Gemeinschaftsräume umgenutzt.
Die Müller/Bircher-Häuser an der Stapferstrasse bleiben praktisch unverändert. Hier beschränken sich die Eingriffe auf das Notwendigste. Das Bircherhaus wird neu mit einem Lift und einem Pflegebad ausgestattet und erhält einen Ersatzbau für die stark beschädigte Veranda.
Der Minergie-Standard wird für die Häuser Ost, West und Süd angestrebt. Sie werden mit einer entsprechend dimensionierten Hülle versehen und mit einer Komfortlüftung ausgerüstet. Die Wärmeerzeugung für alle Häuser erfolgt mittels Grundwasser-Wärmepumpe und Gas.

